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Mütterrente · Estfin Accounting Redaktion · 6 Minuten · Stand 2. September 2026

Was ein Entgeltpunkt wert ist und wie er entsteht

Die gesetzliche Rente wird nicht in Euro angespart, sondern in Entgeltpunkten gesammelt. Erst beim Rentenbeginn werden die Punkte mit dem dann gültigen Rentenwert in Euro umgerechnet. Wer diese Rechnung einmal verstanden hat, kann jede Renteninformation, jede Rentenanpassung und auch die Mütterrente III selbst einordnen.

Allgemeine Information der Estfin Accounting OÜ. Keine Renten-, Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Eurobeträge sind Rechenbeispiele auf Basis des Rentenwerts 2026. Diese Seite ist keine Behörde, stellt keinen Antrag und prüft keinen Anspruch.

Ruhiger Schreibtisch am Fenster mit Bleistift, Notizbuch, Lesebrille und einer Tasse Tee
Ein Entgeltpunkt ist eine Vergleichsgröße: Er sagt, wie das eigene Jahr im Verhältnis zum Durchschnitt aller Versicherten ausgefallen ist.

Wer in einem Kalenderjahr genau so viel verdient wie der Durchschnitt aller Versicherten, erhält für dieses Jahr einen Entgeltpunkt. Wer die Hälfte verdient, erhält einen halben Punkt; wer das Doppelte verdient, zwei Punkte, allerdings gedeckelt durch die Beitragsbemessungsgrenze. Der Durchschnittsverdienst wird jedes Jahr neu festgelegt. Für 2026 liegt das vorläufige Durchschnittsentgelt bei rund 51.900 Euro.

Die Rentenformel in einem Satz

Die monatliche Rente ergibt sich aus vier Größen, die miteinander multipliziert werden: Entgeltpunkte × Zugangsfaktor × aktueller Rentenwert × Rentenartfaktor. Für eine reguläre Altersrente sind Zugangsfaktor und Rentenartfaktor jeweils 1,0. Übrig bleibt: Entgeltpunkte × aktueller Rentenwert.

42,52 €
aktueller Rentenwert seit 1. Juli 2026. So viel Monatsrente bringt ein Entgeltpunkt bei einer regulären Altersrente. Vorher waren es 40,79 Euro.

Wer also 40 Entgeltpunkte gesammelt hat, erhält bei regulärem Rentenbeginn 40 × 42,52 Euro, also 1.700,80 Euro Bruttorente im Monat. Der Zugangsfaktor sinkt bei vorzeitigem Rentenbeginn um 0,003 pro Monat, also 3,6 Prozent pro Jahr, und steigt bei späterem Beginn um 0,005 pro Monat.

Wo Entgeltpunkte herkommen

Die meisten Punkte entstehen aus Beiträgen auf Arbeitsentgelt. Es gibt aber weitere Quellen, die im Versicherungsverlauf eigene Zeilen bekommen:

  • Kindererziehungszeiten: Jeder Monat wird so bewertet, als hätte der Elternteil den Durchschnitt verdient, also mit 0,0833 Punkten. Ein Jahr bringt einen Punkt, drei Jahre drei Punkte.
  • Pflegezeiten: Wer einen Angehörigen nicht erwerbsmäßig pflegt, erhält Beiträge von der Pflegekasse; die Punkte hängen vom Pflegegrad ab.
  • Arbeitslosigkeit: Beim Bezug von Arbeitslosengeld zahlt die Arbeitsagentur Beiträge auf 80 Prozent des früheren Entgelts.
  • Freiwillige Beiträge: Wer freiwillig einzahlt, erhält Punkte im Verhältnis des Beitrags zum Durchschnittsbeitrag.
  • Anrechnungszeiten: Etwa Schul- und Hochschulausbildung nach dem 17. Lebensjahr. Sie bringen keine eigenen Punkte, können aber andere Zeiten aufwerten.

Warum Kindererziehungszeiten so viel wiegen

Ein Jahr Kindererziehung bringt genau einen Punkt, unabhängig vom eigenen Einkommen. Für viele Mütter der Jahrgänge 1940 bis 1965, die nach der Geburt lange nicht oder nur in Teilzeit gearbeitet haben, sind die Kindererziehungszeiten deshalb ein erheblicher Teil des gesamten Kontos. Wer drei Kinder hat und je Kind drei Jahre angerechnet bekommt, hat neun Punkte allein aus der Erziehung, rechnerisch nach dem Rentenwert 2026 rund 382 Euro Monatsrente brutto.

Die Mütterrente III bringt für vor 1992 geborene Kinder ab 2027 sechs Monate dazu, also 0,5 Punkte je Kind. Der Beitrag Von dieser Rentenregel sind Millionen Deutsche betroffen rechnet die Wirkung für ein, zwei und drei Kinder vor.

Ein Entgeltpunkt kennt keinen Beruf und kein Gehalt. Er kennt nur das Verhältnis zum Durchschnitt.

Was passiert, wenn Kindererziehung und Beruf zusammenfallen

Wer während der Kindererziehungszeit gearbeitet hat, bekommt beides: die Punkte aus dem Verdienst und die Punkte aus der Erziehung, allerdings nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Diese Additivregel gilt seit 1998. Für ältere Fälle wurde sie nachträglich angewendet, wenn die Rente nach 1998 begann. Eine Mutter, die 1989 in Teilzeit 0,4 Punkte verdient hat, erhält für dieses Jahr insgesamt 1,4 Punkte.

Rechenbeispiele nach dem Rentenwert 2026 (42,52 Euro), reguläre Altersrente
EntgeltpunkteBruttorente monatlich
0,5 (sechs Monate Kindererziehung)21,26 €
1,0 (ein Jahr Durchschnittsverdienst)42,52 €
3,0 (ein Kind, drei Jahre Erziehung)127,56 €
30,01.275,60 €
45,0 (Eckrentner, 45 Jahre Durchschnitt)1.913,40 €

Alle Werte sind Bruttobeträge vor Kranken- und Pflegeversicherung und vor Steuern. Was davon netto bleibt, behandelt der Beitrag Warum von einer Rentenerhöhung nicht alles auf dem Konto ankommt.

Der Rentenwert ändert sich, die Punkte bleiben

Die Zahl der gesammelten Punkte steht fest, sobald sie im Konto ist. Der Rentenwert dagegen wird jedes Jahr zum 1. Juli angepasst, im Grundsatz entsprechend der Lohnentwicklung. Deshalb steigen laufende Renten, ohne dass neue Punkte hinzukommen: Dieselben 40 Punkte waren im Juni 2026 noch 1.631,60 Euro wert, seit Juli sind es 1.700,80 Euro. Wie die Anpassung 2026 zustande kam, erklärt der Beitrag Was die Rentenerhöhung zum 1. Juli 2026 für laufende Renten bedeutet.

Für die Mütterrente III bedeutet das: Die 0,5 zusätzlichen Punkte sind fix. Was sie in Euro bringen, hängt vom Rentenwert im Jahr der Auszahlung ab. Die heute genannten 21,26 Euro sind eine Orientierung mit dem Wert 2026, kein fester Betrag für alle Zukunft.

Ost und West: seit 2023 ein Wert

Bis Juni 2023 gab es zwei Rentenwerte, einen für die alten und einen für die neuen Bundesländer. Seit dem 1. Juli 2023 gilt bundesweit ein einheitlicher Rentenwert, ein Jahr früher als ursprünglich geplant. Die Hochwertung ostdeutscher Verdienste mit einem Umrechnungsfaktor ist zum Jahresende 2024 ausgelaufen. Wer im Versicherungsverlauf noch „Entgeltpunkte (Ost)“ sieht, sieht historische Einträge, die inzwischen gleich bewertet werden.

Einordnung

Die Rentenformel ist einfacher als ihr Ruf: Punkte mal Rentenwert. Schwierig ist nicht die Rechnung, sondern das Konto, denn jede fehlende Zeile im Versicherungsverlauf fehlt später als Punkt. Wer die eigene Renteninformation liest, findet die Punkte nicht direkt, aber die daraus errechneten Beträge. Wie man sie interpretiert, zeigt der Beitrag Was in der jährlichen Renteninformation wirklich steht.

Quellen

  1. Deutsche Rentenversicherung: Rentenanpassung 2026 (aktueller Rentenwert 42,52 Euro)deutsche-rentenversicherung.de
  2. Sechstes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI), §§ 63 bis 70 Rentenformel, Entgeltpunkte, Zugangsfaktor, aktueller Rentenwertgesetze-im-internet.de
  3. Deutsche Rentenversicherung: Rente, so wird sie berechnet (Broschüre)deutsche-rentenversicherung.de
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